Zurück zu den Einsatzländern

Armenien

Für viele Menschen in Armenien geht es sprichwörtlich um's Überleben! Armenien ist ein von der Welt fast vergessenes Land, in welchem nur wenige Hilfsorganisationen tätig sind.

Damit Hilfseinsätze wirklich effektiv sein können, braucht es Nachhaltigkeit. Deshalb haben wir für dieses Land u. a. ein Patenschaftsprogramm eingerichtet. Inzwischen sorgt das Hilfswerk Diaconia in Armenien für etwa 10'000 Kinder.

Als weitere Massnahme hat das Hifswerk Diaconia in Armenien ein "Dorf der Hoffnung" errichtet, in welchem obdach- und arbeitslose Familien Aufnahme finden. Fast 60 Häuser konnten inzwischen den glücklichen neuen Bewohnern übergeben werden. Neben vielen weiteren prominenten Besuchern haben der armenische Staatspräsident und der deutsche Botschafter das Dorf besichtigt und sich sehr positiv über diese Arbeit geäussert. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt die Deutsche Botschaft in Jerewan unsere Hilfstätigkeit.

Gesichter der Not in Armenien

Surik war ein ausgesprochen liebenswerter Junge, ein wenig schüchtern und in sich gekehrt. Er war öfter bei uns im "Dorf der Hoffnung", um seinen Vater zu besuchen, der als Malermeister bei uns arbeitet. Ohne zu zögern packte er mit an, wenn es Arbeit gab, und half öfters, die Container abzuladen. Nun ist Surik tot, er wurde 19 Jahre alt.

Er starb, als er seinen Militärdienst an der Grenze zu Aserbaidschan ableistete, zusammen mit seinem Freund. 20 Kugeln durchsiebten ihn, sein Freund hatte 31 Einschüsse. Ein Trupp von 60 aserbaidschanischen Soldaten brachte die Leichen zu den armenischen Stellungen. Sie warfen ihn und seinen Freund den armenischen Soldaten vor die Füsse. Die Trauer ist gross bei uns. Surik wurde offen aufgebahrt, weil jeder sehen sollte, was ihm angetan wurde. Die Eltern sind verzweifelt, unsere Mitarbeiter und ich hilflos, versteinert. Er war der einzige Sohn, die Zukunft seiner Familie. Bomben an der Grenze Vergangene Woche wurde ein weiterer junger Mann getötet. Der Präsident Armeniens war in Berg-Karabach und besuchte die Grenze. Zu spät bemerkten die Aserbaidschaner, wer da an der Grenze war. Dennoch wurde der Abschnitt eine halbe Stunde später bombardiert. Dabei starb der Sohn unseres Nachbarn. Der Junge war vor unseren Augen aufgewachsen. Wir haben uns mit ihm gefreut, wenn er gute Nachrichten hatte, wir haben ihn getröstet, wenn es ihm schlecht ging. Als er zum Militär einberufen wurde, haben wir ihn gemeinsam verabschiedet. Seine Mutter hatte Sorge, weil er an die Grenze musste, doch er hatte sie in den Arm genommen und noch gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen. Es war ein Abschied für immer.

Wer in der Welt hat sich hierüber empört? In welchen Nachrichten kam die Meldung, dass wieder armenische Soldaten an der Grenze ermordet wurden? Jedes Jahr sterben so viele junge Männer an dieser Grenze - aber es wird nicht bekannt.

Geschichte wird verdreht

Studiert man die türkischen Internet-Foren, dann liesst man, wie Geschichte verdreht wird, wie Menschen manipuliert werden, wie sehr überzeugend Tatsachen geleugnet werden und den Armeniern die Schuld an allem gegeben wird. Man liest von Eroberungsplänen, von Hass und von Schadenfreude, wenn armenische Kinder verhungern oder im Winter erfrieren.

Offensiv wurden ja auch deutsche Journalisten, die in Armenien zu Besuch waren und positiv über Armenien geschrieben hatten, bedroht, um sie mundtot zu machen. Armenien, das erste christliche Land der Geschichte, ist heute in einer sehr gefährdeten Lage. Die Blockade seitens der Türkei wird weiterhin rigide durchgesetzt und Georgien, der einzige christliche Nachbar, ist aus politischen Gründen kein Freund Armeniens.

Die neue Ölpipeline aus Aserbaidschan über Georgien in die Türkei ist eine zu wichtige Einnahmequelle. In den türkischen Internet-Foren wird offen darüber spekuliert, wie man Armenien von der Landkarte auslöschen oder zumindest komplett isolieren könnte, wenn Georgien sich ebenfalls gegen Armenien stellen würde. Sie geben Armenien noch maximal zehn Jahre, spätestens dann werde es eine militärische Lösung, finanziert durch Erdöldollars, geben.

Die Welt schreit zu Recht auf, wenn der iranische Präsident Lügen über den Holocaust an den Juden verbreitet und absurde Aussagen macht. Dies muss man scharf verurteilen. Aber die Welt schreit nicht auf, wenn der Völkermord an den Armeniern bis heute geleugnet und behauptet wird, die Armenier selber hätten einen Genozid begangen. Wie wäre die Reaktion der Welt wohl, wenn der iranische Präsident behauptet hätte, die Juden hätten versucht, die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges auszulöschen?

Im Visier von Scharfschützen

Für mich persönlich, der ich in Deutschland aufgewachsen bin, war es eine einschneidende Erfahrung, als wir zum ersten Mal in die Grenzdörfer zu Aserbaidschan gefahren sind. Der Bürgermeister eines Dorfes in Schamschadin sagte zu mir: ?Gehe direkt hinter mir. Wenn Du am Dorfplatz an der falschen Stelle stehst, wirst Du von Scharfschützen ins Visier genommen.? Welche Welt, in der man erschossen werden kann, nur weil man einem anderen Volk angehört.

Die Schicksale, mit denen wir hier konfrontiert werden, sind erschütternd. Erst gestern sah ich auf der Strasse eine Mutter mit ihrer frierenden, etwa dreijährigen Tochter. Sie hatten nur leichte Sommerkleidung an. Die letzten Tage hatten sie nur trockenes Brot in lauwarmes Wasser getaucht, um so ein wenig Wärme zu bekommen. Hilfe nötiger denn je Liebe Freunde, Armenien braucht Ihre Hilfe nötiger denn je. Sie haben in den vergangenen Jahren Diaconia unterstützt und damit die Not an vielen Stellen gelindert.

Doch noch immer sterben in Armenien Kinder durch schlechte medizinische Versorgung, durch Mangelernährung, und noch immer erfrieren im Winter Menschen, noch immer gibt es typische Armutskrankheiten, noch immer ist die versteckte Not sehr gross.

Es ist zu viel Leid für ein solch kleines Volk. Man möchte fast verzweifeln. Armenien braucht Freunde, Freunde wie Sie es in der Vergangenheit waren. Sie haben die Arbeit begleitet, unterstützt, Menschenleben gerettet, Hoffnung geschenkt, Veränderung bewirkt. Reichen Sie Armenien weiter die Hand, erzählen Sie Ihren Freunden über Armenien und die isolierte Lage, in der sich das älteste christliche Volk der Geschichte befindet.

Bitte lassen Sie uns nicht alleine mit dieser Arbeit.

Hier können Sie ganz konkret helfen!